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Das HipHop-Netzwerk Nippes
Im Sommer 2001 kam es im Stadtbezirk Köln-Nippes auf Initiative der Bezirksjugendpflege zur Gründung eines HipHop-Netzwerks für Toleranz und Integration. Im Bezirk gab es seinerzeit im Jugendzentrum OT Werkstattstraße eine gut angenommene HipHop-Arbeit mit regelmäßigen Jams, die OT Luckys Haus begann gerade, den ehemaligen Kraftsportraum in ein professionelles Tonstudio umzurüsten. Zusammen mit weiteren Jugendzentren und der Förderschule Auguststraße wurde eine gemeinsame Projektphase geplant.
Nach den Herbstferien ging es los: Mit Unterstützung der Offenen JazzHausSchule Köln wurden geeignete ReferentInnen gefunden, die in den verschiedenen Einrichtungen Rap-, Tanz- und Graffiti-Workshops anboten. Das JFC Medienzentrum unterstützte den Projektfilm, der als ein verbindendes Element alle Workshops dokumentierte, und richtete die Projektwebsite www.hiphop-projekt.de ein: Auf die können alle Partner mit einem simplen Redaktionssystem Termine, Newstexte und Projektergebnisse mit Bild und Ton hochladen.
Bis Ende Januar 2002 liefen die Workshops, dann gab es in der Turnhalle der Schule Auguststraße einen großen Abschlussevent mit Vorführungen aller Gruppen. Die Halle war mit einem Publikum von gut 300 FreundInnen, Eltern und PädagogInnen prall gefüllt. Natürlich wurde auch der Projektfilm gezeigt – für die meisten Beteiligten die erste Chance, einen Überblick über das gesamte Projektgeschehen zu bekommen.

Alle Jahre wieder …
Seitdem hat es fünf weitere derartige Herbst-/Winterprojektphasen gegeben, das Netzwerk hat sich um einige Jugendzentren und eine zweite Förderschule erweitert, aber das Grundprinzip ist das gleiche geblieben: Workshopangebote für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund und eine gemeinsame Abschlusspräsentation.
Vernetzung ist dabei mehr als nur ein Schlagwort: Jugendliche werden ermutigt, auch Angebote der anderen Einrichtungen wahrzunehmen. Zum Abschlussevent tragen alle Partner ihren Teil bei: So wurde am 27. Januar 2007 über eine aus Technik der Schule Auguststraße und des JFC zusammengestellte Anlage die Halle beschallt, Tonstudiotechnik von Luckys Haus war für einen Mehrspurmitschnitt aufgebaut, Kameras von JFC und OT Werkstattstraße filmten den Event, der SKM Köln stellte Stühle und Stellwände, verschiedene Einrichtungen sorgten für die Sicherheit und die Hauswirtschafts-AG der Schule versorgte alle Aktiven mit leckerem Essen.

Let’s party like we did in Adenau!
Anfang 2003 wurde die Modern Soul Academy über die Projektwebsite auf das Netzwerk aufmerksam: Man mache in Stockholm ähnliche Projekte und suche Partner für internationale Begegnungen. Im Kölner Netzwerk war schnell klar: Ja, ein internationales HipHop-Camp wäre für unsere Jugendlichen eine Chance. Das Kölner Jugendamt unterstützte die Idee mit Tipps und Fördermitteln und stellte den Kontakt zu weiteren Partnern in Barcelona her. So konnte das JFC Medienzentrum erfolgreich die trilaterale Jugendbegegnung „The Flow of Victory“ beim EU-Aktionsprogramm JUGEND beantragen.
Adenau liegt einen Katzensprung vom Nürburgring entfernt. An schönen Sommertagen donnern Biker durch die Hauptstraße, sonst ist hier nicht viel los. Am 10. August 2003 wird das Eifeldorf allerdings kurzfristig zur HipHop-Metropole: Rund 30 spanische, schwedische und deutsche Jugendliche nebst 14-köpfigem Team treffen zur Intensiv-Workshopphase in der (mittlerweile leider geschlossenen) Jugendbildungsstätte der Stadt Köln ein.
Los geht es mit einem Open Space: Alle Türen stehen offen, jeder kann sich umsehen, ausprobieren und dann entscheiden: Will ich nun tanzen oder doch lieber ein eigenes Video drehen? Ein Gruppenraum wird zum Tonstudio umgebaut, eine wattstarke Anlage beschallt die Tänzer in der Turnhalle, und die Kapelle ist zum Camp-Medienzentrum geworden: Hier werden Digitalfotos gesichtet und Videos geschnitten. Ein Highlight ist die Graffiti-Wand: die Bildungsstätte hat eine große Außenmauer freigegeben, die SprayerInnen sind begeistert.
Vier volle Workshoptage folgen, mit Arbeitsphasen vor- und nachmittags, im Abendprogramm dann z.B. Filme über die Anfänge der HipHop-Kultur. Die Motivation aller Beteiligten steigt von Tag zu Tag: Der Sommer 2003 bricht Temperaturrekorde, die Turnhalle ähnelt einer Großraumsauna, doch das mindert nicht die Tanzbegeisterung. In den Mittagspausen arbeiten viele freiwillig weiter, lassen sogar den Freibadbesuch ausfallen. Zeiten außerhalb des offiziellen Programms werden genutzt, um andere Bereiche neben dem eigenen Workshop kennen zu lernen: Die Rapperin sprayt, der Tänzer filmt.
Beim Musikvideodreh kommt dann alles zusammen: Die Jugendlichen aus dem Rapworkshop haben ihre Verse zu selbstproduzierten Beats aufgenommen. Die vom Graffiti-Workshop gestaltete Wand ist die Kulisse, vor der die Breakdancer ihre Moves machen, der DJ seine Platten dreht und die VokalistInnen ihren Song performen, während der Medienworkshop alles filmt.
Wie funktioniert eine internationale Begegnung, wenn etliche TeilnehmerInnen kaum Englisch sprechen? Überraschend unproblematisch, wie sich zeigt. In den Workshops wird vorgemacht, gezeigt, zugehört … Musik, Tanz und visuelle Kommunikation können sich als universelle Sprachformen beweisen.
Interkultureller Austausch ist während des Camps gelebter Alltag. In Raptexten und Bildern des Graffiti-Workshops wird den anderen Teilnehmern die eigene Lebenswelt ein Stück näher gebracht. HipHop als globale Kultur weckt Neugier: Wie klingt Rap auf Spanisch? Wie unterscheiden sich die Graffiti-Styles von Kölnern und Stockholmern? Und weiß jemand, was hiphopmäßig in Japan los ist?
Dann geht es zurück nach Köln – mit 12 neuen HipHop-Songs, drei kurzen Videofilmen, etlichen Graffitis und Choreographien im Gepäck, dazu die Camp-Website. In der OT Werkstattstraße werden die Ergebnisse präsentiert, mit Video-Premieren und Liveauftritten.

Von Stockholm nach Caldes d’Estrac
Das Adenau-Camp überzeugt nicht nur die Netd@ys-Jury (Preis des ZDF Kinder- und Jugendprogramms) und die Deutsche EU-Agentur, die es in ihre Best-Practice-Datenbank aufnimmt; auch bei den schwedischen Jugendlichen wird „Let’s party like we did in Adenau“ zum geflügelten Wort, und so ist es kein Wunder, dass am 6. August 2004 in Botkyrka bei Stockholm das Camp „The Flow of Victory reloaded“ mit doppelter Gruppenstärke beginnt.
Anders als 2003 gibt es diesmal ein gemeinsam ausgewähltes Thema. Das Votum der Gruppe fällt eindeutig aus: Peace – Paz – Friede – Fred wird das Motto der Bühnenshow, die nach sechs Workshoptagen dreimal aufgeführt werden soll. Höhepunkt für alle ist der Auftritt vor großem Publikum im Mondo mitten im Stockholmer Zentrum. Friedlich entwickelt sich nach anfänglichen Rangeleien auch das internationale Zusammenleben. Spätestens nach den ersten gemeinsamen Aufnahmen im eigens aufgebauten Tonstudio sind vorangegangene Streitigkeiten vergessen. Durch zahlreiche MigrantInnen in der Gruppe stehen als verbindende Sprachen neben dem Englischen auch Arabisch, Spanisch, Französisch und Türkisch zur Verfügung.
2005 geht es dann nach Caldes d’Estrac bei Barcelona: Wieder sind gut 75 Personen dabei, erstmals auch Partner aus Liverpool. Die Rahmenbedingungen sind ungünstig: Das bewährte Team in Spanien hat im Streit mit dem neuen Chef die Partnerorganisation verlassen, der ersatzweise eingesetzte Campleiter spricht kein Englisch und ist mit seiner Aufgabe überfordert. Trotz widriger Umstände wird auch dieses Camp, „The Flow of Victory part III“, zu einem Erfolg: In multinationaler und multilingualer Kooperation entstehen zehn Songs und vier Musikvideos.

HipHop don’t stop
2006 gibt es keine Fortsetzung der internationalen HipHop-Camps, stattdessen eine internationale Roots&Routes-Projektphase in Köln – und erstmals das aus dem HipHop-Netzwerk entstandene Stadtrandcamp „Beats vom Hof“. Im Jugendzentrum Krebelshof mit seinem großen Außengelände können Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren erste Schritte in Sachen Urban Culture machen, neben Tanz, Musik, Medien und Graffiti werden auch Sport- und Wellness-Workshops angeboten, übernachtet wird in Zelten. 41 Jugendliche nehmen an dem von der Stadt Köln und dem Programm ENTIMON des Bundesjugendministeriums geförderten Camp Teil.
Und das Netzwerk wächst weiter: Mit den MittwochsMalern gibt es seit November 2005 in der OT Luckys Haus ein regelmäßiges Graffiti-Angebot für Jugendliche aus ganz Köln. Im Rahmen des ENTIMON-geförderten Projekts Lifejam der Offenen JazzHausSchule Köln werden in der Zeit von Oktober bis Dezember 2006 Workshops im Rahmen des Nippesser Netzwerks und darüber hinaus in ganz Köln veranstaltet, am 15. Dezember gibt es einen großen gemeinsamen Abschlussevent im Stadtgarten Köln.
Für den 1. September 2007 ist nun im Bürgerzentrum Nippes erstmals ein Live-Event geplant, der alle größeren Kölner HipHop- und Urban-Culture-Projekte zusammenführt: Das Netzwerk Nippes trifft auf das HipHop-Projekt der JUGZ (Jugendzentren Köln gGmbH), das Rapnetz/Connect HipHop-Projekt der Offenen JazzHausSchule und das JFC-Projekt Roots&Routes Cologne.


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